Mag. Igor Eberhard (Wien)
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Tätowierte in der euroamerikanischen Gesellschaft zumeist entweder Exoten aus fernen Ländern oder „Asoziale“, Seeleute oder „Zirkusmenschen“ – Exoten aus der Nähe. Tätowierte wurden bei Vorführungen bestaunt, aber ansonsten stigmatisiert, aus der Öffentlichkeit vertrieben oder im 3. Reich umgebracht.
Anfang des 20. Jahrhunderts begann auch der Hautarzt und Medizinhistoriker Walther Schönfeld seine Karriere. Er wurde bald zur Koryphäe für Syphillis und für Dermatologie. Parallel dazu begann er, sich für das für ihn eher kuriose und fremde, manchmal krankhafte, und scheinbar aussterbende Phänomen Tätowierungen zu interessieren. In den folgenden Jahrzehnten fotografierte, sammelte und dokumentierte er Tätowierungen, ihre Träger und ihre Geschichte. Die Starktätowierten und reisenden „Zirkusmenschen“, die von der Zurschaustellung ihrer Körper lebten, übten dabei eine besondere Faszination aus.
In diesem Vortrag soll untersucht werden, wie die Sammlung Schönfelds, seine zahlreichen Publikationen und auch seine persönliche Sicht das Bild von Tätowierungen mit prägten und auch veränderten.
Mittwoch, 20. November 2013, 18.00 c.t.
Kurssaal des Naturhistorischen Museums
1010 Wien
Burgring 7
Eingang beim Portier
Eintritt frei!